Stage 1 – Das habe ich nicht erwartet !

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Guten Morgen „Gut Basthorst“!

Nach einer sehr kurzen Nacht (ca. 3 Stunden Schlaf) hieß es: Dachzelt zusammenklappen, runter von der Camping-Wiese und rauf auf die Startbahn. Wir wurden in Reihen angeordnet, um ein Chaos auf dem Weg zur Startlinie zu vermeiden. Bis dahin war allerdings noch etwas Zeit. Ca. 8 Uhr war es. Um 10:30 Uhr sollte das erste Rallye-Team die Startlinie überqueren. Bis dahin mussten sich alle Teilnehmer darum kümmern das Roadbook abgeholt und sich anschließend damit vertraut gemacht zu haben. Das war gar nicht so einfach. In der gefüllten Veranstaltungshalle, mit einem richtig hohen Lautstärkepegel das Roadbook zu studieren, war für mich nahezu unmöglich. Ich konnte mich durch das ganze „WirrWarr“ auf gar nichts konzentrieren. Zum Glück war ich ja aber nicht allein. Die beiden Jungs von Golfrich Adventure gesellten sich wieder zu uns und wir studierten das Roadbook zu viert.

Ordnung vor der Startlinie

Das Roadbook

Wow. Das ist im ersten Moment ganz schön komplex. Task of the day, Road Mission, Detour Mission, Secret Misson, Action Station, alle Regeln, Karte studieren, Mission Blue Paperclip, Photo Missions … Hilfeeeee! Erstmal locker bleiben, das Wichtigste für den heutigen Tag raussuchen und den Weg auf der Karte einzeichnen, um zunächst die ersten paar 100km fahren zu können. Ich erkläre euch das Roadbook nocheinmal ausführlicher in einem extra Beitrag, alles Andere würde hier den Rahmen sprengen.

Starlinie

Zurück am Auto, war ich jetzt schon richtig aufgeregt. 30 Minuten bis zum Startschuss. Vorher wurde vom SAC noch ein Gruppenfoto mit allen Teams an der Startlinie gesichert. Nun hieß es ab in die Auto‘s, Motor an und auf die Anweisungen der Ordner warten. Mit als einer der Ersten durfte ich die Startline überqueren -> Ab jetzt werden ordentlich Kilometer geschafft. Doch wie viele es an diesem Tag wirklich wurden, bzw. wann wir erst an unserem Zielort ankommen werden, davon hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch keinen blassen Schimmer – Ein Glück! Team Golfrich trafen meine bisherige Reisebegleiterin und ich an einer Tankstelle wieder. Nach einem kurzen Austausch über WhatsApp, ob wir nicht erstmal zusammen weiterfahren wollen. Gesagt getan. Zugegeben, wir waren froh darüber, denn als Einzelkämpfer ist das schon ‘ne Nummer mit dem Lesen der Landkarten. Klar kann man sich vorher alles vernünftig markieren, Ortsnamen und Straßen sowie Abfahrten rausschreiben, aber sind wir ehrlich – hatten wir bis dato nur grob. FUN FACT: Ich hätte nichtmal gewusst ob ich rechts oder links nach der Startlinie abbiegen muss🤣 Typisch ich, aber so bin ich nunmal. Komplett verplant und gerne auch unvorbereitet. Nach dem Motto -> Wird schon werden und siehe da, wurde es ja auch. Wir hatten nun also einen Golf 2 als Anführer. Einen besseren Ausblick gibt es doch gar nicht oder ? Also doppelter Jackpot.

Wichtig!

Bevor wir uns den ersten Aufgaben des Tages widmeten, durfte eine weitere Mission nicht vergessen werden. Mission Blue Paperclip! Wir bekamen bei Übergabe des Roadbooks einige Gegenstände zusätzlich überreicht. Unter Anderem eine kleine, blaue Büroklammer. Aufgabe war es, in jedem Land einen Gegenstand zu tauschen – Begonnen mit dieser Büroklammer. Zu beachten: Der Tauschgegenstand muss jedes Mal mindestens 100g schwerer werden. Mein erster Tausch in Deutschland an einer Raststätte wurde eine kleine Wasserflasche. Mit Hinblick auf 8 weitere Tauschgeschäfte vielleicht nicht optimal. Aber besser als nicht getauscht. Team Golfrich hatte ein noch schlechteres Los gezogen – sie tauschten die Büroklammer gegen eine 1,5L Wasserflasche. Das wird eine schwere Angelegenheit bei den weiteren Tauschgeschäften!

Erster Tausch in 🇩🇪
Weitere Streckenplanung – Dort waren wir bereits in Dänemark
Kaffee durfte nicht fehlen – immerhin waren wir schon gute 5h unterwegs und ein Ende? War noch ewig nicht in Sicht!

Die ersten Rallye – Aufgaben

Für die Tagesaufgabe (Traditionelle Wikinger Weihe), für die wir am ersten Tag bereits bis nach Süd-Schweden geschickt wurden , mussten wir auf dem Weg dorthin so einige Zwischenstopps einlegen, um bestimmte Dinge einzusammeln. Wir brauchten: Ein Stück deutsches Eisen, einen Feuerstein von der dänischen Küste, den grünen Zweig eines schwedischen Baumes, Wasser aus der Ostsee und symbolisch den Wind des Meeres. Einen Halt hier, einen Zwischenstopp dort, die Suche nach einem Feuerstein ganz woanders. Und ruck-zuck war es 20:30 Uhr. Vor uns lagen allerdings noch die Road Mission & die Detour Mission, die beide noch vor der Tagesaufgabe erfüllt werden mussten. Ich glaube es dämmert euch so langsam, dass dieses hier kein entspannter Roadtrip wird – mir wurde in diesem Moment jedenfalls einiges klar. Und nun gab es 2 Optionen: Durchziehen oder sich schon am ersten Tag dem Roadbook geschlagen geben. Wir waren uns alle einig -> Wir ziehen durch! Geil! Was ein Teamspirit!

Auf zur Road Misson

Wie der Name schon sagt, findet diese Aufgabe irgendwo auf der Strecke statt, die wir sowieso fahren. Theoretisch. Aber wie sagt man so schön? Viele Wege führen nach Rom. Das heißt: Erst das Roadbook genau lesen, und die Route so planen, dass die Road Mission auf dem Weg liegt. Zugegeben, auch die Road Missions behinhalteten teilweise Umwege … dabei mussten wir doch auch noch zur Detour Mission. The struggle is real! A Tag 1 war der SAC (Superlative Adventure Club) in diesem Fall allerdings gnädig zu uns. “Last exit before sweden” lautete die erste Road Mission. Kurz vor der Øresund Brücke mussten wir abbiegen und zu Fuß eine Statue suchen, um davon ein Foto zu schießen. Ein Foto mit uns und der Statue der großen Meerjungfrau am Dragør Fort. Zum Glück kein großer Umweg, dennoch gestaltete sich diese Aufgabe etwas schwierig. Direkt an dieser Statue wurde eine recht große Party mit Live-Musik veranstaltet, für die man Tickets brauchte. Not macht erfinderisch. Ein paar Klettereinheiten später war das Foto auf dem Handy.

Wer findet die Statue?

Bevor wir weiter fuhren mussten wir noch eine weitere Aufgabe beachten. Mission Blue Paperclip darf natürlich nicht vergessen werden. Und bevor wir Dänemark verlassen, sollten wir unsere Gegenstände nocheinmal getauscht haben. Direkt in diesem Hafen fanden sich ein paar gut gelaunte Camper – Niederländer – die schon merkbar das ein oder andere alkoholische Getränk verzehrt hatten. Nichts wie hin da – angequatscht – viel gelacht – Gegenstände getauscht – nun aber ab nach Schweden.

Fairer Tausch – Wasser gegen Bier
Ach und noch fix Ostsee-Wasser für die Tagesaufgabe mitnehmen!

Dunkel war es bereits. Die Øresund Brücke befuhren wir dazu in strömendem Regen. Wie so viele Streckenabschnitte an diesem Tag. Für mich trotzdem ein Highlight, da ich sie vorher noch nie gesehen geschweige denn befahren habe und eine besondere Bauweise wie diese, sieht man nunmal nicht jeden Tag. Eindrucksvoll waren ebenfalls die starken Winde. Nicht selten wurde das halten meiner Spur zur Aufgabe. Zusätzlich mit dem vielen Wasser auf der Straße fuhren wir alle nicht mehr schneller als 50 – 60km/h.

Nach einigen weiteren Stunden über Land erreichten wir unsere erste Detour Mission. Um das geforderte Foto mit dem Leutturm zu schießen, mussten wir noch einen kleinen Fußmarsch zurücklegen.

Detour Mission – Kullen Västra Lighthouse✅
Und einmal von ganz nah dran!

Doch kamen uns Zweifel ob dieses überhaupt der richtige Leuchtturm war. Ganz unten an der Spitze der Landzunge gab es nämlich einen weiteren Leuchtturm. Die Angaben im Roadbook dazu waren etwas schwamming – ein etwas längerer Marsch zu Fuß sollte uns bevorstehen – zugegeben, der Weg zu unserem bereits erreichten Leuchtturm war nicht der längste. Doch bis ganz runter zur Landzunge, im Dunkeln, bei rutschigen Bodenverhältnissen und stürmischem Wetter, nach Mitternacht? Vielleicht nicht die beste Idee! Wir beschlossen also: Ein Foto von Weitem muss reichen.

Foto vom Leutturm ganz vorn an der Landzunge – Aufgenommen um 01:01 – Mitten in der Nacht – Herzlich Willkommen im Abenteuer, wir stecken jetzt mitten drin und ich bin ehrlich, ich habe alles daran geliebt und die Erinnerungen die ich gerade fühle während ich diese Zeilen schreibe, fühlen sich mehr als real an. Mega!
Scheinbar gibt es sogar einen oder mehrere Wanderwege bis ganz an die Spitze. Für uns unter diesen Umständen allerdings nicht ersichtlich, denn -> Ein weiteres Problem -> Es gab dort kaum bis gar kein Mobilfunknetz, wodurch wir nicht schauen konnten, wo man vielleicht einen Weg hätte finden können.

Nun gab es nur noch eine Hürde zu nehmen. Die Tagesaufgabe wartete darauf erledigt zu werden. Erinnert ihr euch noch daran, was wir dafür alles einsammeln mussten? Nach einer weiteren Stunde Fahrt und einer Nachwanderung durch den Wald hieß es runter auf die Knie zur “Traditionellen Wikinger Weihe”! … Ich krabbelte also bepackt mit ‘nem Stock auf dem Rücken und einer Eisenstange im Mund, irgendwo mitten in einem schwedischen Wald, nachts um 02:08, einmal um ein UFO-Denkmal herum. Was man eben so macht. All die Mateiralien werden am Ende der Zeremonie auf das Denkmal gelegt und mit dem heiligen Wasser der Ostsee übergossen.

Zum Verständins: Das Tragen der Elemente auf dem Rücken symbolisiert, die Last der Welt mit der Leichtigkeit des Windes zu tragen. Das Übergießen der Symbole mit Wasser steht für den Segen der Reise.

Task of the day✅

Dort wo wir unsere Autos abstellten, um die Tagesaufgabe zu erledigen, blieben wir über Nacht. Gemeinsam mit einer ganzen Menge weiteren Teams. Bestimmt standen dort 30/40 Rallye-Autos. Mein Highlight war natürlich, dass der Golf 2 direkt neben mir stand. Mit einem besseren Ausblick konnte ich nun wirklich nicht schlafen gehen. Dachzelte aufgeklappt, Feierabendbier und ab ins Bett.

Dachte ich.

Eine kleine Erkundungstour konnten wir uns allerdings nicht nehmen lassen. Nur 200m weiter hörten wir die Wellen am Strand. Und was gibt es schöneres als einen Tag am Strand, direkt am Meer zu beenden? Richtig, nichts! Ein Glück hatten wir uns die Zeit für diesen kleinen Ausflug noch genommen, denn dort wartete eine große Überraschung auf uns. Schaut euch mal die Aufnahme und die dazugehörige Uhrzeit an⬇️ Halb 3 Uhr nachts und so hell? Ja richtig! Sogar hier in Südschweden wird es schon nicht mehr richtig dunkel. Man könnte meinen, ein kleiner Vorgeschmack auf die Mitternachtssonne, aber das wäre nun wirklich übertrieben. Das ist nochmal ein ganz anderes Level an Helligkeit und Surrealität. Jetzt aber wirklich zurück zu den Autos und ab ins Bett. Was für ein Tag!

Fazit

Dass wir nach ca. 17h erst in unseren Betten landen werden, hätte ich nicht erwartet. Dass die Aufgaben so umfangreich sind ebenfalls nicht. Ist das etwas Schlechtes? Auf gar keinen Fall. Mein Ehrgeiz war geweckt. Ich liebte alles daran. Ein kleines Missverständnis gab es dennoch: An diesem ersten Tag hätten wir tatsächlich noch Autobahnen fahren dürfen. Einer der Gründe, warum viele Teams deutlich früher als wir am Zielort waren. Aber was solls. Immerhin können wir von uns behaupten, dass wir ab der ersten Sekunde voll im harten Rallye-Leben angekommen waren und mehr als durchgezogen haben!

Ca. 700 km | 17h auf der Straße | 3 Kaffee | 3h Schlaf | Stimmung 5/5⭐️ -> Die Reise geht weiter! Das war Stage 1 der Baltic Sea Circle 2026!

Vielen Dank, dass du Teil dieser Reise bist🫶