
Wann ich am Vortag im Bett gelandet bin, habe ich euch bereits berichtet. Spät, sehr spät. Um genau zu sein, um 3 00 Uhr. Ca. gegen 9 00 Uhr, wollten wir an Tag 2 wieder in den Autos sitzen. Ich sage bewusst nicht am nächsten Tag, weil der ja quasi schon angebrochen war. Andererseits spricht man erst vom nächsten Tag, wenn man geschlafen hat oder ? -> Dieses Thema begleitete uns fast täglich. Also seht es so, wie ihr es wollt – mehr Schlaf wird es nicht und der Folgetag wird unweigerlich anbrechen, oder ist es schon!😅
Ich wäre natürlich nicht ich, wenn ich nicht noch einen oben drauf setzen würde. Mein Plan war es, am nächsten Morgen eine Runde laufen zu gehen. Die Vorstellung am ersten Tag in Scandinavien durch einen wunderschönen, schwedischen Wald zu laufen, klang für mich sehr verlockend und durch das ganze Sitzen im Auto, wäre ein wenig Bewegung wirklich angenehm. Meine Idee waren sicherlich gut, doch die Umsetzung und die Umstände ließen etwas zu wünschen übrig. Ja, so eine Laufrunde in der schwedischen Natur ist wunderschön. Ein weiterer Faktor ist aber das Wetter. Es war Regen angesagt. Und das nicht zu wenig. Laufrunde verschieben war nicht möglich, dass ließ die Rallye-Tagesplanung nicht zu. Also, Augen zu und durch! Wird schon nicht so schlimm und es wird ja sicher auch nicht die ganze Zeit in strömen gießen. Dachte ich. Falsch gedacht! Es hat so heftig geregnet, dass ich innerhalb der ersten 3 Minuten bis auf den Schlüppi nass war. Naja, nun kann es auch weiterhin so stark regnen. Meine Laufrunde hatte ich nicht so lang gewählt, da ich anschließend noch genug Zeit zum Duschen haben wollte. Negativ die Zweite! Die Laufrunde entpuppte sich als ewig langer Runway durch den strömenden Regen. Ich denke ca. 10km am Ende. Mit Zusatzgewicht, denn mein dicker Pulli, der mich eigentlich vor dem skandinvischen Wind und den knappen Temperaturen, um die 10 Grad am Morgen, schützen sollte, war mehr als vollgesogen vom ganzen Regen. Na gut, was solls. An Bewegung ist noch keiner gestorben und den Rest des Tages werde ich ja eh übewiegend im Auto sitzen, also kann ich mich jetzt auch erstmal ordentlich auspowern.

Endlich zurück am Auto. Der Wasserhahn des Himmels wurde übrigens pünktlich bei meiner Ankunft zugedreht. Danke für gar nichts. Aber positiv denken -> so kann ich wenigstens im trockenen duschen, und das Dachzelt einklappen, um mich Abfahrbereit zu machen. HAHAHAHA, Wunschvorstellung! Wovon träume ich hier eigentlich -> ist natürlich beides nicht eingetroffen! Bin im Regen zur Dusche und beim Abbauen wurde ich ebenfalls nass. Hätte ich mir das Abtrocknen nach der Dusche auch sparen können. Es war alles einfach mehr als nass. Mir war kalt. Ich war müde. Da hilft nur eins. Rallyeplanung im Regen, Wege auf der Karte einzeichnen und ab auf die Piste für weitere ca. 580 km. Nach 5h Schlaf, lagen 13,5 weitere Stunden auf der Straße vor uns!
Die Dusche
“Es gab eine Dusche”, beschreibt in diesem Fall eine frische Angelegenheit. Am Vortag auf unserer kleinen, nächtlichen Exkoursion zum Strand, hatte ich eine top Stranddusche entdeckt. Im Regen, bei frischen Temperaturen und ordentlich Wind, nichts für Weichgekochte. Trotzdem, egal wie unbequem so eine eiskalte outdoor Dusche ist -> Das belebt einfach wahnsinnig. Jedes Mal aufs Neue. Und durchgeschwitzt, nach einer Laufrunde, ist die Überwinding auch nur noch halb so groß. 10/10 die Dusche, dann noch mit dem Ausblick und dem Rauschen des aufgewühlten Meeres – Was für ein Start in den Tag! Klar, dass ich nicht die Einzige war mit dieser Idee. Gemeinsam mit einer weiteren Gruppe von Rallye-Teilnehmern genossen wir diesen ganz besonderen Vibe. Achso, Badeklamotten hatten da nichts zu suchen. Für nur schnell duschen -> unnötig. Ich war die einzige, weibliche Person dort. Ein junges Mädel, in mitten von einer Männergruppe nackt am Duschen. Ganz normal! Da ist nichts dabei, merkt euch das. Ich habe mich in keiner Sekunde auch nur minimal unwohl gefühlt und genau so sollte es sein. Danke Männer für eine weitere positive Erfahrung in Situationen wie dieser, die doch so oft kritisch gesehen werden.
Fotograph mit im Gepäck
Mehr als frisch, packte ich meine restlichen Sachen in den Bulli und gemeinsam studierten wir noch fix die Aufgaben des Tages. Ein wenig mussten wir sowieso noch warten, da wir eine besondere Begleitung bekommen sollten. Am Vortag kamen wir mit dem Rallye-Fotograph ins Gespräch. Nach der letzten Foto-Session mit einer anderen Gruppe, stieg er a Tag 2 bei uns mit ein. Richtig cool -> Jetzt gibt’s geile Shot’s! Und die Bilder sind wirklich richtig cool geworden! Hier mal ein erster Eindruck⬇️

Secret Mission
Auf zur ersten Mission des Tages, die Secret Mission.

Auf diesen Missionen wird irgendwo an einem umschriebenen Ort ein “Schatz” versteckt. Das Team, welches den Schatz als erstes findet, darf ihn behalten. Um die Punkte der Secret Mission trotzdem zu bekommen, müssen alle anderen Teams das Versteck des Schatzes trotzdem finden und wie immer ein Foto mit einem Teammitglied und dem Spot machen. Secret Missions, gab es 3 auf der gesamten Rallye. Auf dieser ersten Challenge führte der SAC uns von unserem Nachtlager am Strand Sibirien in die Nähe der Ortes Värö. Etwas mehr als 150km entfernt. Über Land wurden daraus 3 Fahrtstunden. Sehr ländlich gelegen, führte uns die Schatzsuche in ein Waldgebiet. Geprägt von Felsen und Steinen. Wir liefen durch eine Schlucht, anschließend ein kleines Stück rechts und einen weiteren Felsen hinauf. Die Hinweisbilder und der Informationstext über die Secret Mission ließen darauf schließen, dass der Schatz hier irgendwo im Baum hing.

“Hing” war das Stichwort. Es war bereits Mittagszeit -> da waren wir natürlich nicht mehr die Ersten. Morgens gegen 9 00 Uhr, direkt nach der Information über die Secret Mission in der BSC Gruppe, war der Schatz schon gefunden. Egal, Punkte gab es trotzdem. Der Inhalt bestand aus ein paar Goodies & Snacks vom SAC. Umsonst waren wir also nicht hier und zusätzlich bot dieser wunderschöne Ort sich an, um noch ein paar Fotos und Aufnahmen zu machen. Schließlich hatten wir einen Fotograph dabei, das muss genutzt werden!


Zurück an den Autos planten wir noch fix unsere Weiterfahrt. Eine Detour-Mission, obwohl es an Tag 2 eigentlich gar keine gab.

Task of the day
Surströmming – Drive lautete die Tagesaufgabe. Surströmming ist dieser besonders intensiv riechende, eingelegte Fisch. Er gilt als Delikatesse. Kaufe Surströmming und transportiere die geöffnete Fischdose mindestens 100km in deinem Rallye-Fahrzeug. Als Beweis, schieße ein Foto von der offenen Fischdose, inklusive des Kilometerstandes deines Fahrzeugs, am Start und am Ende der Fahrt. Alles klar, auf zum nächsten Supermarkt. Diesen mussten wir allerdings erstmal finden. Das gestaltete sich gar nicht so einfach, da zu dieser Jahreszeit nicht die Saison für diesen Fisch war. Selbst in großen Supermärkten ist die Chance gering. Erst beim 3. Versuch wurden wir fündig. Das kostete natürlich wieder richtig Zeit und Kilometer. Aber 20 Punkte einfach so auf der Strecke lassen, kam uns nicht in die Tüte! Nun ging es ans Öffnen der Dosen. Direkt vorm Supermarkt – Ach ja, einen Dosenöffner hatte keiner von uns dabei! -> aber wir waren ja zum Glück noch direkt vorm Supermarkt. Wir zogen uns Einmalhandschuhe über die Hände. Gute Entscheidung, denn an den Fingern wollte ich diesen Geruch nicht haben. Vergleichbar mit einem richtig würzigen Käse. Ist der Geruch erstmal am Finger, läuft er dir den gesamten Tag hinterher.

Die Dosen waren geöffnet und zugegeben, das riecht schon unangenehm aber meiner Meinung nach alles aushaltbar. Habe den Fisch draußen kurz ausmüffeln lassen, ihn dann in 3 Plastiktüten eingewickelt, damit falls etwas ausläuft mein Auto nicht mit der Suppe vollgeschmiert wird. Ein Special fiel mir ein : Das Streu Der TrockenTrennToilette soll ja dafür Sorgen den Feststoffen 💩 die Feuchtigkeit und damit den Geruch zu entziehen. Ich glaube das war mein Gamechanger. Ich hatte wirklich wenig Geruch im Auto und bin am Ende sogar um die 300km mit der Dose im Auto gefahren, weil ich sie schlichtweg vergessen hatte. Optional würde sich dafür auch Katzenstreu anbieten😅

Foto Competition
On the road erspähten wir einen Local auf seinem Rasenmähertrecker. Was es damit auf sich hatte ? Im Roadbook gibt es eine weitere Seite mit verschiedenen Aufgaben. 9 kreative Missions die mit einem Foto festgehalten werden müssen. Eine davon: Helfe einem Local beim Rasenmähen. Unsere Chance! Angehalten, den armen Kerl auf english vollgelabert, verstanden hat er jedoch rein gar nichts. Hände, Füße und ein paar komische Geesten mussten also her, um ihm irgendwie zu erklären, dass 3 Personen ein Foto auf seinem Rasemähertrecker brauchten. Ca. 70 Jahre würde ich ihn schätzen – er war sicherlich durch den Wind von unserer überfallartigen Aktion … ABER -> Die Foto’s waren im Kasten.

Es hieß mal wieder keine Zeit zu verlieren! Der Tag ist kurz und es war schon wieder Abend. Und die Road Mission musste auch noch erledigt werden. Da mussten wir allerdings erstmal hinfahren und diese bestand dann ebenfalls aus einer Fahrt durchs Ungewisse – so die Angaben im Roadbook. Und danach brauchten wir noch einen Stellplatz für die Nacht. Ihr merkt, auch Tag 2 hatte es in sich! Auf dem Weg zur Road Mission entdeckten wir auf einem Grundstück mit Haus ein altes, weißes Auto. Genauer gesagt nur einer von uns, der Rest wäre wahrscheinlich einfach vorbei gefahren, inklusive mir. Augen auf während der Rallye! Kommando kehrt! Denn eine der Foto Missions war es, einen echten Saab 99 zu finden und ihn mit unserem Rallye Fahrzeug abzuschleppen – inklusive Foto versteht sich. Zurück am Grundstück, wo der vermeintliche Saab 99 stehen sollte, wurden wir nicht enttäuscht. Die Freude und Euphorie war riesig, wurde allerdings schnell gedämpft als keiner zuhause war. Autos standen auf dem Hof, aber die Türe öffnete sich auch nach mehrfachem Klingeln nicht. Naja, und einfach so ein Abschleppseil an ein wildfremdes Auto hängen, kannst’ jetzt auch nicht bringen. Mit hängenden Köpfen, so knapp vorm Ziel, schlurften wir zurück zu unseren Auto’s. Doch plötzlich öffnete sich die Haustür doch noch. Wir wurden wirklich nett empfangen. Nach kurzer Erklärung, hing das erste unserer Fahrzeuge schon am Saab bzw. eher andersherum. Einer der Locals sprach zum Glück recht gut Englisch. Wir unterhielten uns kurz über die Rallye, sie waren total begeistert. Sogar Instagram tauschten wir aus, weil die Tochter des Saab-Besitzer’s uns weiterhin etwas verfolgen wollte. Was für eine tolle Begegnung! Und wer kann schon von sich behaupten, mal so einen coolen Saab 99 am seinen Auto hängen gehabt zu haben😜

Road Mission
Die Uhr zeigte bereits 21:16 als dieses Foto aufgenommen wurde. Die Road Mission sollte am nördlichsten Punkt einer Straße (der 239) starten. Genannt “Road’s to nowhere”! Bevor wir allerdings abseits der befestigten Straße fuhren mussten wir ein Beweisfoto an der Einfahrt schießen.


Einige Zeit fuhren wir durch die zwar eintönige, aber wunderschöne Natur Schwedens. Einfach nur Bäume, die Schotterpiste, das Geräusch meines Bullis und das Zischen des nassen Untergrundes, durch den vielen Regen. Herrlich. Eine knappe Stunde lang sahen wir nichts Anderes. Geschwindigkeit zwischen 10km/h & 50km/h, manchmal auch etwas schneller. Sehr entschleunigend. Zwischendurch nutzten wir die malerische Landschaft mal wieder für ein paar coole Aufnahmen. Das sah dann auch gerne mal so aus⬇️

Angekommen am Ende der Road Mission. Da musste wieder ein Foto aufgenommen werden. Und wie geil sieht das bitte aus? Mega!

Für diesen Tag waren nun also alle Aufgaben erledigt. Übernachten müssen wir aber auch noch irgendwo -> Jetzt hieß es also Stellplatzsuche. Eine Empfehlung gab es im Roadbook. Ein Campingplatz, gar nicht so weit entfernt. Dort angekommen waren wir mittelmäßig begeistert. Eigentlich wollten wir nur auf einen Campingplatz, um zu duschen. Ich hätte nichtmal eine Dusche gebraucht, die Stranddusche am Morgen ließ mich noch frisch fühlen. Alle Anderen freuten sich dennoch auf eine Erfrischung. Der Uhrzeit zu schulden war am Campingplatz jedoch schon lange Feierabend. Nicht unüblich um ca. 23 00 Uhr. Wir beschlossen also nicht hier zu bleiben, nutzten aber frecherweise die dort vorhandenen Mülltonnen. Denn wer aufmerksam gelesen hat, fragt sich sicherlich was in der Zwischenzeit mit unserem Stinkefisch passiert ist. Richtig, nichts! Der “moggte” immer noch fröhlich in unseren Auto’s herum. Bevor dieser die Mülltonne mit seinem Geruch bereichern durfte, wollte ich es mir nicht nehmen lassen ihn wirklich mal zu probieren. Immerhin gilt er als Delikatesse. Dafür muss er allerdings vernünftig zubereitet werden. Die Möglichkeit ergab sich mir in diesem Falle nicht -> also Augen zu oder besser gesagt Nase zu und durch! Dabei ist dieses Foto entstanden ⬇️

Ich bin ehrlich, zu mehr als nur kurz mit der Zunge zu testen ist es nicht gekommen. Er schmeckt super salzig und dadurch, dass ich ihn nicht vernünftig abgewaschen habe, schmeckte ich natürlich den stinkenden “mogg” dieser Flüssigkeit, in der der Fisch eingelegt ist. War jetzt nicht zum Übergeben ekelig aber reichte dann auch.
Nun brauchten wir aber wirklich einen Schlafplatz. Noch ein kleines Stück entfernt, bogen wir mal wieder in den Wald ein. Und lasst es euch gesagt sein, dieser Platz, war mit einer der schönsten auf denen ich in meinem Leben übernachtet habe! Wir landeten auf einer kleinen Lichtung, direkt an einem See, Wow! Ich war ehrlich geflasht!

Die Anderen badeten noch im See, ich fühlte mich wie gesagt noch frisch genug und war auch einfach platt und müde. Fix das Dachzelt aufgebaut, indem ich in dieser Nacht allerdings nicht geschlafen habe. Der Fotograph brauchte einen Schlafplatz. Kein Problem, ich habe mehrere Schlafplätze. So machte ich es mir unten im Bulli bequem und oben im Dachzelt ist Lucas für diese Nacht eingezogen. Schlafenszeit! Es liegt wieder ein langer Rallye Tag hinter und ein nächster langer Rallye Tag vor uns – um 00:10 sagte ich also Gute Nacht😴 Hier noch ein paar Bilder vom wunderschönen Stellplatz⬇️




Fazit
Geiler Tag in Schweden aber nun freue ich mich auf Norwegen. Dort wollte ich schon immer mal hin! Einen Stern abzug für die Stimmung, da das Wetter wirklich nicht schön war.
Ca. 580km | 13,5h auf der Straße | 4 Kaffee | 5h Schlaf | Stimmung 4/5⭐️ -> Die Reise geht weiter! Das war Stage 2 der Baltic Sea Circle 2026!
Danke, dass du Teil dieser Reise bist🫶