Nach einer kurzen, aber für Rallye-Verhältnisse erholsamen Nacht, startete der Tag mal wieder regnerisch. Kalt war es auch. 9 Grad hatte ich im Bulli, draußen waren es keine 7. Der Stellplatz war trotzdem ein Traum. Also Jacke über die Schlafklamotten, Schiebetür auf, Wald und Seeluft schnuppern und dem plätschern des Regens auf den Blättern der Bäume, sowie dem Rauschen des Windes durch den Wald lauschen. Wow! Der Traum eines jeden Campers! Ab ans Wasser. Ca. 10m war der See von unseren Autos entfernt. Alle anderen haben sich noch nicht blicken lassen. Um 5:30 Uhr kein Wunder. Für mich als Frühaufsteher allerdings fast schon spät. Und ich gebe zu, ich liebe diese Ruhe am Morgen. Allein in den Tag starten, mich in der Natur umschauen, wach werden. Irgendwie nehme ich so alles viel intensiver wahr und bin ganz bei mir. Mich erst mal sammeln. Die Ruhe vor dem Sturm. Mein perfekter Start in den Tag. Der Einzige der schon vor mir kurz draußen war, um ein paar coole Shot’s zu machen war Lucas, unser Kameramann. Hab’s natürlich gemerkt und gehört als er oben aus dem Dachzelt geklettert ist. Habe ihn dann etwas gestalkt beim Fotografieren. Merkt euch: Wenn ihr mich in eurem Zeltcamp habt, bleibt nichts unbemerkt. (Der Feind schläft nie😅)

Alle wach? Yes! Zeit für Kaffee!


“Komm nu’, Tach is’ kurz”!
Gemeinsamer Kaffee schön und gut -> nun aber keine Zeit verlieren.
Zitat von Team Golfrich: “Komm nu’, Tach is kurz”!
Recht hat er ja😅 Also fix Karten und Roadbook sturdieren, mal wieder im Regen die Dachzelte zusammenklappen und Abfahrt. Die Dachzelte wurden gar nicht mehr richtig trocken. Komplett klamm, sogar schon im Inneren gab es durch fehlende Sonne, Wärme und den immer wiederkehrenden Regen keine Chance auf Trocknung. Naja, die Hoffnung stirbt zuletzt. Irgendwann muss die Sonne sich doch mal blicken lassen oder ?


Heute erreichen wir endlich Norwegen🇳🇴 Ein lang ersehnter Wunsch von mir, daher war die Vorfreude groß. Diese sollte allerdings schnell gedämpft und unsere Nerven auf eine erste harte Probe gestellt werden.
Breakdown Nr.1!
Eine etwas unerwartete Bremsung durch Team Golfrich vor mir, ließ mich ziemlich ins Schwitzen geraten. Wer bremst verliert dachte sich mein Bulli. Hört sich lustig an, war es aber absolut nicht! Mit voller Kraft latschte ich auf mein knüppelhartes Bremspedal. Der Bulli? Fuhr nahezu ungebremst weiter. Mit aller Gewalt kam ich noch rechtzeitig zum Stehen, aber auch nur, da ich ein Glück so viel Abstand zum Golf hatte. Das war ganz schön knapp. Direkt neben uns war eine kleine Tankstelle, an der wir sowieso halten wollten und nun auch gezwungen waren. Aus einem geplanten kurzen Tankstopp, wurde ein längerer Aufenthalt. Die Problemsuche war etwas mühselig. T4 halt. Eigentlich laufen die Dinger unendlich und sind unkaputtbar. Doch wenn die etwas haben, dann kannst du dir sicher sein, es ist schlimm oder du kommst schlecht bis gar nicht dran. Oder beides😅 So auch in diesem Fall. Ganz tief unten war ein Unterdruckschlauch nicht mehr dicht. Wer zum Teufel soll da mit seinen Hände hinkommen? Eines muss definitiv erwähnt werden: Keine 5 Minuten standen wir dort allein. Weitere Teams der Rallye hielten an und fragten ob sie helfen können. So schnell konnten wir dem Rescue-Team des SAC nicht mal unser Problem erklären. Ein tolles Gefühl zu keiner Zeit allein zu sein! Team Atego hat den Übeltäter am Ende gefunden. Problem war nicht die Idee wie wir den Schlauch jetzt fixen sondern -> Wie kommen wir an diesen Schlauch, da ganz unten im Mororraum-Gewusel heran? Es blieb nur eine Möglichkeit. Die Person mit den kleinsten Händen und schmalsten Armen muss ran. In diesem Fall war ich das. Meine Arme sind zwar auch nicht dünn und meine Hände auch nicht klein, im Vergleich zu den Anderen aber deutlich passender. Dachten wir. Selbst ich kam kaum in die Richtung des Schlauches. Und zu kurz waren meine Arme auch noch😅 Mit Hängen und Würgen stopfte ich mich Stück für Stück weiter in den Motorraum. Check, ich bin dran. Jetzt nur noch irgendwie das Ducktape herum wickeln. Drei Krämpfe in den Fingern und ordentlich aufgeratschte Arme später war es vollbracht. Der Unterdruckschlauch ist geklebt. Probefahrt erfolgreich -> Vollbremsung geht wieder🥳

Weiter geht die wilde Fahrt! Die Auto’s getankt und repariert. Eines mussten wir aufgrund dieser massiven Zeitverzögerung jedoch sausen lassen. Schwedens höchster Wasserfall der Njuleskär, im Fulufjället Nationalpark. Mit 125m und 90 Metern freiem Fall stand dieser eigentlich ganz oben auf unserer Liste. Da wir aber ein Zeitlimit für die Tagesaufgabe hatten, blieb dieser Abstecher aus.
Das erste Rentier
Einige Zeit sopäter fuhren wir über genau solche Schotterpisten durch Schweden’s schönste Wälder und National Parks.

Zuerst gar keine Zivilisation, dann asphaltierte Straßen und hin und wieder ein paar Häuser rechts und links. Diese wunderbaren, süßen Schwedenhäuser. Natürlich in rot! Und dann stand es plötzlich da. Das erste Rentier meines Lebens. Das war wirklich ein besonderer Moment. Vorallem so nah an meinem Auto, dass ich es aus nähster Nähe betrachten konnte. Cool, einfach cool! Auch noch in so einer besonderen Farbe, aber schaut selbst⬇️

Auf dem Weg zur Road Mission sollten wir noch so einigen Rentieren begegnen. Ganzen Herden, die einfach so, in aller Ruhe über die Straßen schlenderten. Autos ? Die haben doch ‘ne Bremse. So das Motto der Rentiere. Die gehen nicht zur Seite. Wir als “Touris” fuhren ganz langsam heran. Wir wollten natürlich keines der Tiere verletzten und kaputte Auto’s brauchten wir jetzt auch nicht. Die Locals gehen da ganz anders ran. Forsch heranfahren und einfach durch. Im Notfall auch im Slalom. Sportlich. Naja, scheint normal zu sein, wenn man das jeden Tag erlebt. Wir jedenfalls staunten noch etwas und genossen die Zeit mit unseren Autos mitten in der Rentier-Herde.


Damit aber nicht genug! Diese Tour durch Schweden hatte es einfach in sich. Teilweise wussten wir gar nicht wo wir hinschauen sollten und kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. So auch an diesem Naturschauspiel, bei dem wir gar anhalten mussten! Kein Weg führte daran vorbei hier auszusteigen und dieses Landschaftsbild zu bewundern. Diese unglaubliche Kraft des strömenden Wassers. Wow! Ein paar Aufnahmen wurden gemacht – Klaro! Und das sah dann so aus⬇️ Ist das nicht der Wahnsinn?

Zwischen dieser wunderschönen Strecke und der nächsten Aufgabe durften wir einen wichtigen Aspekt nicht vergessen. Noch heute werden wir Schweden verlassen. Das bedeutet: Mission Blue Paperclip! Ein Tausch in Schweden. Neben einem kleinen Einkauf in einem schwedischen Dorf suchte ich den Parkplatz nach Menschen ab, um meine Flasche Bier zu tauschen. Zugegeben, die war schon recht schwer, dafür dass der folgende Gegenstand erneut mindestens 100g mehr wiegen muss. 3 Locals, 3 Fails. Aber ein paar kleine Geschäfte gab es hier auch noch. Rein in Geschäft Nummer 1. Wieder negativ. Die Verkäuferin war so lieb und engagiert, doch fand sich leider kein Gegenstand für mich. Egal, nicht aufgeben! Im nächsten Laden sollte ich Glück haben. Ein junger Schwede stand an der Kasse. Super sympatisch und sprach perfekt Englisch. Ich erklärte ihm mein Anliegen und sagte dazu, dass es auch kein Problem wäre, wenn er meine Flasche Bier einfach gegen eine große Flasche Wasser tauschen würde. Hauptsache ich habe getauscht. Ja ok meinte er, im Notfall machen wir das so, aber das wäre ja langweilig. Also ging er auf die Suche, und das nicht zu kurz. Mit was er wieder kam? Ganz verrückt. In den Händen hielt er eine Gaskartusche für Airbagwesten. Cool. Das mit dem Gewicht war zwar eher knapp, aber die Sache an sich, so einen coolen Gegenstand zu bekommen und sein Engangement waren einfach nur bemerkenswert. Ich nahm die Gasflasche und bedankte mich mehrfach!

Die Road Mission startete knapp hinter der norwegischen Grenze. Ähnlich der Road Mission aus Stage 2, gab es einen Start und einen Zielpunkt, an dem jewels ein Foto mit unserem Rallye Fahrzeug geschossen werden sollte. In diesem Fall mit einem Zusatz: Die gesamte Road Misson soll in einem Konvoy von mindestens 3 Rallye Teams gefahren werden. Das Erste Foto an der Einfahrt zum Lake Auresunden. Desweiteren bestand die Road Mission daraus einmal und den Lake Auresunden herum zu fahren und am westlichsten Punkt das Zielfoto aufzunehmen.

Nach dieser Aufgabe gab es nur noch ein Ziel. Das Midsommer Rallye Camp. Gleichzeitig unser Ziel an für diese Stage und der Standort, an dem die Tagesaufgabe erledigt werden sollte. Die letzten Kilometer zum Camp waren nur durch eine einzige Straße erreichbar. Somit trafen wir mit der Zeit auf mehrere Rallye Mitlglieder und fuhren in einem Konvoy von ca. 10 Fahrzeugen bis zur Camp-Einfahrt.

Angekommen am Sommercamp wurden wir mal wieder herzlichst vom SAC empfangen. Rauf auf die Campingwiese, Plätzchen suchen und dann fix etwas Essen gehen. Der SAC hatte ein nettes Abendessen für alle Rallye-Teilnehmer vorbereitet. Anschließend widmeten wir uns der Tagesaufgabe. Das Bier, welches wir aufbewahren sollten bis wir das Sommercamp erreichen soll nun geöffnet werden, um gemeinsam anzustoßen. Einmal komplett auf der gegenüberliegenden Seite der Campingwiese konnte man das große Lagerfeuer nicht übersehen. Die Stimmung war ausgelassen und die Kulisse vor dem River Nea einfach der Wahnsinn! Aber davon überzeugt euch gerne selbst während ihr die folgenden Bilder anschaut. Wir verbrachten einen entspannten Abend in bester Gesellschaft. Müde? Waren wir gar nicht. Trügerisch, denn es war schon 01:30. Dies fiel allerdings keinem von uns auf, da es immernoch taghell war. Bis wir einen Blick auf die Uhr warfen und nicht schlecht staunten, gar etwas erschrocken waren, denn der nächste, lange Rallye-Tag war bereits angebrochen – Mal wieder!



Fazit
Norwegen ist so wunderschön – da gibt es keine Diskussionen. Und diese Helligkeit mitten in der Nacht ist einfach surreal. Meine Motivation ist weiterhin grenzenlos und ich bin einfach nur dankbar sowas erleben zu dürfen!
Ca. 400km | 9,5h auf der Straße | 2 Kaffee | 5h Schlaf | Stimmung 6/5⭐️ -> Die Reise geht weiter! Das war Stage 3 der Baltic Sea Circle 2026!
Danke, dass du Teil dieser Reise bist!